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Österreich bleibt weiterhin Europameister bei Gesamtarbeitslosigkeit wie nun auch bei Jugendarbeitslosigkeit - Programme für Frauen wurden gestartet

Wien (OTS/BMASK) - "Die Situation am Arbeitsmarkt wird in den Herbstmonaten etwas schwieriger geworden; wir sind aber darauf gut vorbereitet und können zielgerichtet reagieren", unterstrich Sozialminister Rudolf Hundstorfer anlässlich der Arbeitsmarktzahlen für den Monat Oktober. Nach 19 Monaten der sinkenden Arbeitslosigkeit ist erstmals die Anzahl der Arbeitslosen bereinigt um die SchulungsteilnehmerInnen angestiegen. Während die Zahl der Arbeitslosen um 8.869 (3,9 Prozent auf 235.006) wächst, ist die Anzahl der SchulungsteilnehmerInnen um 9 Prozent (-6.454) auf 65.373 gesunken. Trotzdem steigt die Anzahl der Beschäftigten in Österreich deutlich: Im Oktober 2011 gab es 3.450.000 unselbstständig Beschäftigte. Das ist ein Anstieg von + 63.000 Personen (+ 1,9 Prozent). "Von einer Krise am Arbeitsmarkt wie 2008 und 2009 kann man daher nicht sprechen", betonte der Minister. ****

Trotz dieser Eintrübung sei es sehr erfreulich, dass Österreich europaweit die besten Arbeitsmarktdaten aufweisen könne, neben der Gesamtarbeitslosigkeit nun auch bei der Jugendarbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote nach Eurostat weist für September 2011 einen Wert von 3,9 Prozent (- 0,4 Prozent) auf, wonach Österreich erneut an erster Stelle in der EU liegt (vor den Niederlanden mit 4,5 Prozent, EU Durchschnitt 9,7 Prozent) und als einziges Land eine Quote von unter vier Prozent aufweist. Diesmal ist Österreich auch bei der Jugendarbeitslosenquote mit 7,1 Prozent (- 2,0 Prozent) an erster Stelle innerhalb der EU und überholt damit die Niederlande (acht Prozent). Im europäischen Durchschnitt ist die Jugendarbeitslosgkeit drei Mal so hoch wie bei uns und beträgt 21,4 Prozent.

"Damit bestätigt sich die vorbildhafte österreichische Jugendarbeitsmarktpolitik mit der Ausbildungsgarantie und der Aktion Zukunft Jugend. Als sehr positiv zu werten, ist zudem die Entwicklung am Lehrstellenmarkt: die Anzahl der Lehrstellensuchenden ist leicht rückläufig bei einem leichten Anstieg der offenen Lehrstellen, wodurch wir eine weiter leicht sinkende Lehrstellenlücke von 2.050 Lehrstellen haben", unterstrich Hundstorfer.

"Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld und die Bedingungen am Arbeitsmarkt weiter eintrüben, sind wir vorbereitet: zusätzlich zum gleichbleibenden AMS Budget für das Jahr 2012 können dann nochmals 24 Mio. Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik (Aktivierungsbeihilfe) lukriert werden", kündigte Hundstorfer an. Zudem steht das Instrument der Kurzarbeit uneingeschränkt zur Verfügung und die Bildungskarenz konnte unbefristet verlängert werden. Insbesondere auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Branche der Arbeitskräfteüberlassung, die hauptsächlich niedrigqualifizierte junge Männer betrifft, wurde mit der Einrichtung der Jugendstiftung neu (JUST Implacement), die hauptsächlich Lehrabschlüsse bietet, reagiert.

Die überdurchschnittlich steigende Arbeitslosigkeit bei älteren Personen (+ 8,0 Prozent) und bei Frauen (+ 4,2 Prozent) bestätige, "dass wir unsere Schwerpunkte mit dem Herstarbeitsmarktpaket richtig setzen, indem wir das Qualifizierungspaket \x{2588}New Skills\x{2588} mit dem Fokus auf ältere Frauen und WiedereinsteigerInnen für 5.155 Personen anbieten", sagte der Sozialminister. Darin sind die Förderung von Arbeitsaufnahmen älterer Frauen (ab 45) enthalten sowie die Ausweitung der Programme Frauen in Technik (FIT) sowie Facharbeiterinnenintensivausbildung für Frauen (FIA).

Der Trend der steigenden Arbeitslosigkeit in der Branche Arbeitskräfteüberlassung setzt sich fort (+ 12,6 Prozent); "die vorausgesagte Delle im Wirtschaftswachstum scheint sich darin zu bestätigen", so Hundstorfer. Darauf deutet auch eine sinkende Anzahl an gemeldeten offenen Stellen (-2.014 auf 30.901) hin. Bei einem Vergleich der Bundesländer zeigt sich der deutlichste Anstieg der Arbeitslosigkeit neuerlich in Wien, was unter anderem auf die bedarfsorientierte Mindestsicherung zurückzuführen ist. (Schluss)

Rückfragehinweis:
   Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) 
   Mag. Norbert Schnurrer , Pressesprecher des Sozialministers
   Tel.: (01) 71100-2246
   www.bmask.gv.at

Der immer grössere Druck auf die Sozialhilfe beeinträchtigt die Lebenssituation von Armutsbetroffenen und die Arbeitssituation von SozialarbeiterInnen. Wie reagieren wir darauf?

Kurzreferate von Annie Ortelli und Selina Tribbia, Diskussion in moderierten Kleingruppen, konkrete Massnahmen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme: AvenirSocial Sektion Bern, Gruppe für Menschenwürde in der Sozialhilfe (GMS-BERN), vpod bern.

Anmeldung bitte unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel.: 031 382 33 38 bis 11.11.2011
Spontane Teilnahme ist auch möglich.

 

Keinerlei negative Auswirkungen würden aus jenen Mitgliedstaaten gemeldet, die Arbeitern aus den 2004 und 2007 beigetretenen Mitgliedstaaten den Zugang zu ihren Arbeitsmärkten gewährt haben, heißt es in der von Traian Ungureanu (EVP, RO) eingebrachten Entschließung, die am Dienstag per Handzeichen angenommen wurde.

"Offizielle Statistiken, einschließlich der von der Kommission gesammelten Daten, haben gezeigt, dass Arbeitnehmer aus Osteuropa keine Arbeitslosigkeit in anderen Ländern hervorgerufen haben und keinen Druck auf das soziale Wohlfahrtssystem des jeweiligen Gastlandes ausüben", meinte der Berichterstatter während der Debatte am Montag. "Im Gegenteil: Der Zuzug ausländischer Arbeitskräfte brachte wirtschaftliches Wachstum von geschätzten 1 % des BIP in den Gastländern."

Die Abgeordneten rufen die Mitgliedstaaten dazu auf, ihre Regelung für Übergangsfristen in Hinblick auf die komplette Öffnung des Arbeitsmarktes zu revidieren und drängen jene Mitgliedstaaten, die nach wie vor bulgarischen und rumänischen Staatsbürgern Einschränkungen auferlegen, sie bis Ende des Jahres und nicht erst am Ende der in den EU-Verträgen mit  Dezember 2013 befristeten Periode aufzuheben.

Rechte auf Freizügigkeit für Arbeitnehmer umsetzen

Die lückenhafte Umsetzung der derzeit gültigen EU-Gesetze zur Freizügigkeit für Arbeitnehmer, insbesondere der Richtlinie 2004/38/EC über das Recht der Bürger und ihrer Familienmitglieder auf Reise- und Niederlassungsfreiheit in der EU, bereiten den Abgeordneten Sorgen. Wenn notwendig, sollte die Kommission ihr Recht auf Vertragsverletzungsverfahren gegen säumige Mitgliedstaaten in Anspruch nehmen.

Langfristig würden diese Einschränkungen die Werte und Rechte untergraben, die in den EU-Verträgen gesichert sind - freier Personenverkehr, Nicht-Diskriminierung, Solidarität und gleiche Rechte für alle.

Die Abgeordneten bedauern jüngste Legislativvorschläge in manchen Mitgliedstaaten, um Arbeitsmarkteinschränkungen erneut für Bürger aus anderen Mitgliedstaaten einzuführen. Sie fordern die Kommission auf, zu überprüfen, inwieweit derlei Maßnahmen im Widerspruch zu EU-Gesetzgebung stehen.

Anerkennung von beruflichen Qualifikationen

Die derzeitigen Verfahren zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen sind ein weiteres großes Hindernis für mehr Mobilität von Arbeitnehmern in der EU, heißt es in der Resolution. Die Kommission solle die derzeit geltenden Regeln einer Revision unterziehen.

(Quelle: Europäisches Parlament)

Dies ist ein Gastbeitrag im Rahmen des Netzwerkes der Blogpaten
von Gabriela Pichelmayer aus Wien.

Foto: Michael Grabscheit / pixelio.deIch bin kein Pfleger, Schatz! Ich habe nur ein Leben, Schatz! Du wirst sicher einen netten Rollstuhlfahrer finden, Schatz! Auch für dich wird es noch Möglichkeiten im Leben geben, Schatz! Ich liebe eine andere, Schatz!

Diese Sätze sitzen tiefer als tief. Wohl hat man schon dergleichen mit Unverständnis vernommen. Von anderen. Von Gleichgestellten. Jedoch ein ähnliches Schicksal nicht nur ausgeschlossen, sondern auch erst gar nicht in Erwägung gezogen.  Die Krankheit war ihm immer bekannt, schon vor der Hochzeit. Gewiss, damals war man noch mobil und nicht auf Hilfe angewiesen. Aber die Prognose der fortschreitenden Verschlechterung war immer klar und eindeutig. Es verhielt sich so, als würden die körperlichen Ausfälle in den 25 Beziehungsjahren mitwachsen wie die beiden Kinder.

 

Dachte man zumindest. Sämtliche Vorschläge von therapeutischen Maßnahmen wurden von ihm in den letzten Jahren abgelehnt. Denn, die Ausnahmesituation einer schweren Erkrankung ist ja nicht nur für den Betroffenen eine Herausforderung. Erst recht für Angehörige und für die Beziehung an sich, seit man ein gehöriges Quantum an Mobilität und Selbständigkeit verloren hat. Nein, das brauch ich nicht. Nein, das sollen andere machen. – hieß es. Und jetzt? Die Überforderung ist ihm zu groß, das Leben zu kurz, die neue Frau viel unbeschwerter. Jetzt wo man im Rollstuhl sitzt und schon 50 Jahre „geschafft“ hat im Leben, ist man plötzlich alleine und gilt es sich von Grund auf neu zu ordnen. 25 Jahre hat man mit ihm auf- und abgebaut.

Das Schiff „Familie“ unerschütterlich versucht ober Wasser zu halten. Hat unterstützt, hat verstanden und geholfen. Was man eben alles gerne so tut innerhalb eines Gefüges. Was bleibt übrig? Man will die Scheidung und bemüht das Gericht. In der Hoffnung „alles wird gut“ schiebt man diesen Schritt schon wochenlang vor sich her. Muss jedoch erkennen, dass die Frage nach Unterhalt, Witwenpension, die gemeinsame Wohnung, das gemeinsame Auto, die gemeinsamen Kinder, die gemeinsamen Jahre und vieles mehr offen bleibt. Und auch seine vorhandene Beistandspflicht und deren Verletzung will nicht außer Acht gelassen werden. Als Mensch mit Behinderung hat man das Recht auf Beistand und der Gatte die Pflicht. Auch wenn die Grenzen dieses Begriffes verschwinden und die Bedeutung in der Praxis nicht klar definierbar ist.

Um dem Verlangen zu entsprechen in den dritten Stock des Bezirksgerichtes zu kommen, benötigt man drei Aufzüge und durchrollt drei lange Gänge. Die Größe der Aufzugskabinen verkleinert sich pro Stockwerk. Ohne Hilfe ist es nicht zu bewerkstelligen in die letzte Kabine mit dem Rollstuhl hineinzufahren. Prädikat: nicht behindertengerecht. Trotz psychischer Belastung ist man auch noch körperlicher Belastung ausgesetzt und wird gezwungen der Unselbständigkeit frontal ins Auge zu blicken. Muss das denn sein?

Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.deZimmer 325 präsentiert sich als wunderschöner großer Altbauraum, in dem drei Damen ihre Mittagsjause verzehren. „Karin, da will sich wer scheiden lassen! Nemmas noch dran? Es is scho halb 12!“ ruft eine der Ruhebedürftigen, die vielleicht vergessen wollte, dass die Parteienverkehrszeiten von 8 – 13h nur dienstags ihre Berechtigung haben. Und es ist Dienstag! Man staunt und hofft diese Barriere überwinden zu können, hat man diesen Weg doch endlich mit allen dazugehörenden Hindernissen von Selbstzweifel über Gewissenskonflikte getraut zu beschreiten und ist sich nicht sicher ob man zu einem weiteren Anlauf in der Lage ist.

Der Mann bekommt die Ehescheidungsklage wegen Ehebruch. Selbst holt man sich einen feuchten Händedruck von der Richterin ab und stellt sich die Frage, ob es denn „legitim“ sei 25 Jahre vor Gericht zu beenden. Geht es nicht auch um innere Größe, Großmut und Einvernehmen im Leben?

Statistisch gesehen ist die Tendenz der Scheidungen in Österreich stark ansteigend. Zwar lässt man/frau sich nicht mehr scheiden, weil der Pudding nicht schmeckt oder der Partner die Zahnpastatube nach Gebrauch nicht verschließt.  Aber die Überzeugung, dass der indirekte Scheidungsgrund „Krankheit“ eine großer Rolle spielt, will man sich nicht nehmen lassen. Zumal man es auch schon oft vernommen hat. 900.000 Österreicher sind allein von psychischer Erkrankung betroffen. Ein Wunder in dieser Gesellschaft voll von Neid, Mobbing, Falschheit und Korruption? Und 1,6 Millionen Österreicher leben mit körperlicher Behinderung. Selbst wenn dies keinerlei Einfluss auf die eigene Situation hat. Trotzdem. Das Bewusstsein mit dieser Problematik nicht allein zu sein tut gut.

Ich habe die innere Größe nicht, Schatz! Auch ich habe nur ein Leben, Schatz!

Gabriela Pichelmayer, geb. 1960, Multiple Sklerose seit 1980, Pensionsversicherungsanstalt/Vergleichsurteil vom 16.5.2007: Pflegestufe 3 befristet bis 31.7.2008 zuerkannt. Auf Grund einer wiederholten ärztlichen Untersuchung im Juli 2008, Pflegestufe 4 unbefristet zuerkannt.

 

Der Text steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz und kann komplett oder in Ausschnitten verwendet werden. Über eine Verbreitung in anderen Blogs wie auch über die gängigen Social-Media-Kanäle möchten wir uns schon jetzt bei allen Unterstützern bedanken.

Fotos Copyright: (1) Foto: Michael Grabscheit / pixelio.de
(2) Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Link zur Quelle

Mit dem »Datenreport 2011« präsen -tieren die amtliche Statistik und die so zialwissenschaftliche Forschung ihren Sozialbericht für die BundesrepublikDeutschland in der 13. Auflage. Die er-folgreiche Kooperation zwischen dem Statistischen Bundesamt und der wis -senschaftlichen Sozialberichterstattungbegann 1985 durch eine Initiative derBundeszentrale für politische Bildung.Mit der Erstellung des ersten gemein -samen »Datenreport 1985« und der vonProfessor Wolfgang Glatzer und Pro -fessor Wolfgang Zapf herausgegebenen empirischen Studie »Lebensqualität in derBundesrepublik Deutschland« wurdenEmpfehlungen umgesetzt, die ProfessorHans-Jürgen Krupp und Wolfgang Zapfbereits 1972 in ihrem Gutachten »Die Rol-lealternativer Wohlstandsindikatoren beider Begutachtung der gesamtwirtschaft-lichen Entwicklung« formuliert hatten.

Aktuell wird der Zusammenhang zwi-schen Wirtschaftswachstum, Lebensqua-lität und Wohlfahrt wieder neu diskutiertund steht in der aktuellen politischen und wissenschaftlichen Debatte weit obenauf der Tagesordnung. Vor allem das Un-behagen mit dem Bruttoinlandsproduktals »Universalindikator für gesellschaft-liche Wohlfahrt« hat zu unterschiedlichenAktivitäten geführt. Im Januar 2011nahm die vom Deutschen Bundestag ein-gesetzte Enquetekommission »Wachstum,Wohlstand, Lebensqualität – Wege zunachhaltigem Wirtschaften und gesell-schaftlichem Fortschritt in der SozialenMarktwirtschaft« ihre Arbeit auf.

Das Bruttoinlandsprodukt ist nach wievor eine der wichtigsten volkswirtschaft-lichen Größen. International vergleichbarund aussagekräftig – vor allem zur Beob-achtung der Konjunkturentwicklung –wurde es in den letzten Jahrzehnten oftauch als Indikator für Wohlstand undFortschritt verwendet. Aktuelle Diskus-sionen hinterfragen, ob die einseitige Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum,gleichbedeutend mit dem Wachstum desBruttoinlandsprodukts, automatisch zugesellschaftlichem Fortschritt und hö hererLebensqualität für die Menschen führt.Dazu kommt die Frage der Nachhaltig-keit: Inwieweit generiert die heutigeGeneration W irtschaftswachstum aufKosten der nachfolgenden Generationendurch die Vernichtung natürlicher Res -sourcen oder eine zunehmende Staatsver-schuldung, die den finanziellen Spielraumin Zukunft immer mehr einschränkt?Zum anderen wird bemängelt, dass dienicht-materielle Seite der Lebensqualitätzu wenig beleuchtet wird.

Der französische Staatspräsident Sarkozyberief im Februar 2008 eine hochrangigbesetzte, internationale Expertenkommis -sion, die sogenannte Stiglitz-Sen-FitoussiKommission ein. Sie sollte Vorschläge er-arbeiten, wie die wirtschaftliche Leistungund der soziale Fortschritt einer Gesell-schaft künftig besser statistisch gemessenwerden kann. Schon allein die Tatsache,dass fünf der 25 Mitglieder Nobelpreis-träger waren, gab dieser Kommission ei-ne herausragende Bedeutung. Gemessenam Umfang der Aufgabe stand der Kommission wenig Zeit für ihre Arbeiten zurVerfügung. Sie stellte ihren Abschluss-Bericht mit Vorschlägen zur Verbesserungder statistischen Berichterstattung bereitsim September 2009 in Paris der Öffent-lichkeit vor. Der Bericht betont einerseitsdie Bedeutung von Daten zur Verteilungvon Wohlstand und geht andererseitskonkret auf die Messung von Aspektenein, die nach Ansicht der Kommmissionfür die Lebensqualität der Menschen vongroßer Bedeutung sind: Gesundheit, Bil-dung, persönliche Aktivitäten einschließ-lich Erwerbsarbeit, politische Partizi -pation und Qualität der Staatstätigkeit,soziale Beziehungen, Umwelt, persön licheund wirtschaftliche Unsicherheit. Außer-dem enthält der Bericht Vorschläge zurNachhaltigkeitsmessung.

Für die neue Enquete-Kommission »Wachs-tum,Wohlstand, Lebensqualität« wurdenehrgeizige Ziele gesteckt: Sie soll denStellenwert von W achstum in Wirtschaftund Gesellschaft ermitteln, einen ganz-heitlichen Wohlstands- und Fortschritts -indikator entwickeln sowie Möglich -keiten und Grenzen der Entkopplung von Wachstum, Ressourcenverbrauch undtechnischem Fortschritt aufzeigen. Dabeisind vor allem Aspekte wie materiel-ler Lebensstandard und Verteilung vonWohlstand, soziale Inklusion und so zialerZusammenhalt, Qualität der Arbeit, Ge-sundheit, Bildungschancen, soziale Siche-rung und politische Partizipation sowiedie von den Bürgern wahrgenommene Le-bensqualität zu berücksichtigen. Viele dergenannten Themen finden sich auch im Datenreport wieder. Hier werden die Er-gebnisse des Statistischen Bundesamtesund der sozialwissenschaftlichen For-schungzusammengeführt, so dass ein dif-ferenziertes Bild der Lebensverhältnisse inDeutschland entsteht. Die dargestelltenErgebnisse können zur Beantwortung vie-ler der vermeintlich neu gestellten Fragenherangezogen werden und Anregungenfür die weitere Debatte liefern.

Die amtliche Statistik ist mit ihren um-fangreichen, vielfältigen und kontinuier-lich durchgeführten Erhebungen nach wievor der wichtigste Anbieter von Infor -mationen über die Lebensverhältnisse und gesellschaftlichen Entwicklungen inDeutschland. Eine leistungsfähige sozial-wissenschaftliche Datengrundlage ist je-doch für eine aktuelle und differenzierteSozialberichterstattung ebenso notwen-dig. Sie ergänzt und bereichert das Infor-mations- und Analysepotential der amt-lichen Daten.

Mit ihren speziell für die gesellschaftlicheDauerbeobachtung konzipierten sozial-wissenschaftlichen Repräsentativerhebun-gen stellt die wissenschaftliche Sozial -berichterstattung Informationen zu The-men und Fragestellungen bereit, die häufignicht von der amtlichen Statistik erhobenwerden, wie z.B. subjektive Wahrneh-mungen, Einstellungen und Bewertungen.

Mit seiner umfassenden Beschreibung der Lebensverhältnisse in Deutschlandstellt der Datenreport den Entscheidungs -trägern in Politik und Wirtschaft hand-
lungsrelevante Informationen zur Ver -fügung. Seine wichtigste Aufgabe ist al-lerdings – als ein von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichter Sozialbericht – dem Informationsbedürf-nis der Öffentlichkeit und des Bildungs-systems in einer demokratischen Gesell-schaft gerecht zu werden.

Seit seinem erstmaligen Erscheinen vorüber 25 Jahren hat der Datenreport deut-lich an Themen und Gewicht zugelegt.Aus diesem Grund erscheint die gedruck-te Ausgabe in Form von zwei Bänden. Dieelektronische Fassung finden Sie wie im-mer auf den Internetseiten der beteiligtenInstitutionen.

Die Herausgeber

Berlin/Wiesbaden, im August 2011

Zum Datenreport

Bei den Protesten gegen die Macht der Banken in New York sind mehr als 70 Menschen festgenommen worden. Zuvor waren Tausende Menschen vom Finanzdistrikt zum Times Square marschiert - und hatten dort den Verkehr lahmgelegt. Insgesamt blieb der Protest friedlich.

Mit Transparenten, Trommeln und Trompeten bewaffnet marschierten Tausende Demonstranten der "Occupy Wall Street"- Bewegung in New York zum Times Square. "So sieht Demokratie aus", skandierten sie. Hundertschaften von Polizisten mit Pferdestaffeln passten auf, dass sie den Bürgersteig nicht verließen, um den ohnehin zähflüssigen Verkehr nicht zu behindern. Nur zögerlich sperrten die Beamten Straßen, um den Menschen mehr Platz zu geben. Als sich eine Gruppe von Demonstranten nach Angaben der Polizei ihrer Aufforderung widersetzte, eine Nebenstraße freizumachen, kam es zu Festnahmen. Die Beamten führten rund 40 Leute in Handschellen ab.

"So kann es nicht weitergehen"

An der berühmten Vergnügungsmeile im Herzen Manhattans erreichte die Anti-Kapitalismus-Bewegung ihren Höhepunkt. Tausende Menschen drängten sich auf dem Platz und machten ihrem Ärger über die sozialen und wirtschaftlichen Zustände Luft.

"Die jungen Leute können nach der Uni nicht arbeiten", sagt eine Frau. "Sie haben horrende Schulden, es gibt keine Krankenversicherung." So könne es nicht weiter gehen. Eine andere Demonstrantin meint: "Jeder weiß, dass man für das Land kämpfen muss, sonst verliert man es."

Wie schon in der vergangenen Woche hatten sich auch diesmal zahlreiche Gewerkschaftsverbände, Vereine und Organisationen den Protesten angeschlossen. Seit Jahren bestehe ein soziales Ungleichgewicht, sagt ein Gewerkschafter. Auf der einen Seite gebe es Leute, die irgendwie versuchten, zu überleben. Auf der anderen Seite gebe es die Wall-Street-Bosse, die immer reicher würden.

Festnahmen vor Bankfiliale

Zuvor waren die Demonstranten vom Zucotti Park, dem Hauptquartier der "Occupy Wall Street Bewegung", zu einer Filiale der US-Großbank JP Morgan Chase im Finanzviertel Manhattans gezogen. Einige der Teilnehmer gingen in die Bank, um ihr Konto zu kündigen. Insgesamt blieben die Proteste friedlich. Die Polizei nahm aber rund 24 Menschen wegen ungebührlichen Verhaltens fest.

Die Organisatoren werteten diesen Protesttag als ihren bislang größten Erfolg. Rund 80 Länder auf der ganzen Welt hätten mitgemacht - in Europa, in Asien und Südamerika, sagte ein Demonstrant.  Es sei eine weltumspannende Bewegung und jeder, der mitmache, habe das gleiche Gefühl: Die soziale Ungerechtigkeit müsse beigelegt werden. Weltweit protestierten am Samstag Menschen in fast tausend Städten gegen die Macht der Finanzmärkte. Auch in Deutschland kam es in vielen Städten zu Kundgebungen.

(Quelle:ard-tagesschau)