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Putzmann Jürgen – Happy End mit bitterem Beigeschmack.

von Dieter Puhl

Über Jahre putzte er in der Bahnhofsmission Berlin Zoologischer Garten, machte einen guten Job, war dabei selbst obdachlos, zeigte sich gegenüber allen hilfreichen Angeboten verschlossen. War kantig, war sperrig, war einfach Jürgen und gehörte dazu.
Über den Tag hielt er sich bei uns auf, Jürgen im Warmen, oft sah das gemütlich aus. Nachts, wir wissen das nicht genau, schlief er auf S Bahnhöfen, im Sommer, aber auch in kalten Wintern.
Sicher aber: Mancher bekam echt den Schrubber zu spüren, latschte er durch das Gewischte…
Dann, mit Anfang 70, erkrankte er schwer – was macht man mit jemandem, der sich partout nicht helfen lassen will?
Wenn Gottes Liebe grenzenlos ist, sollten die Versuche unserer Hilfen es auch
sein.

Es dauerte lang, der Anblick war kaum zu ertragen, er konnte sich kaum noch bewegen, nachts haute er ab, Jürgen nahm schließlich Hilfen an, einige Nächte schlief er nun in Schlafkabine III, dann endlich durften wir ihn in die Schlosspark Klinik begleiten.
Seit 15 Jahren kein Ausweis, keine Krankenversicherung – unsere Mobilen Einzelfallhelfer (der Berliner Stadtmission) regelten das, Handwerk von guten Sozialarbeitern, mit enormen Zeiteinsatz verbunden; daran scheitern sonst übrigens recht viele Hilfen.
Das hat etwas mit Nähe zu tun, jeden Tag wurde Jürgen im Krankenhaus besucht, seine 4 Tageszeitungen pro Tag und ein paar Gespräche waren wichtig. Für ihn, auch für uns.

Heute wurde Jürgen in eine tolle Pflegeeinrichtung nach Lankwitz verlegt.
Gute Betreuung, nettes Personal, sauberes Bett.
Und auch dort werden wir ihn besuchen, nicht jeden Tag, das ist nicht zu schaffen, aber recht oft!

Alles gut, ein Happy End, sollte man meinen?!
Aber: im tollen Krankenhaus baute Jürgen in den letzten 10 Tagen erheblich ab.
Arbeit, Aufgabe, auch Lebenskampf, der ganze Rummel in der Bahnhofsmission, hielten ihn fit, beweglich.

Nun, zur Ruhe gekommen, kann er vermutlich bald sterben, zumindest rapide abbauen, in einem sauberen Bett, auch das hat Qualitäten.

Vielleicht finden wir ja aber adäquate Zwischenlösungen, die Suche geht weiter.

Wir bedanken uns bei Euch, Ihr ermöglicht uns solch „luxuriöse“ Arbeit.

Am 28.11. feiern wir seinen Geburtstag.