• Armutsnetzwerk

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Weltfest am Boxi in Berlin am 14.09.2013

 

Auf dem Weltfest gab es viele Stände mit vielen Informationsmaterialien. Das Bühnenprogramm war sehr Abwechslungsreich mit Künstlerischen Einlagen und Redebeiträgen. Des Weiteren gab es eine Tafel mit der Anzahl an Mails, die an die Politiker gingen. Es wurden bis zum Ende insgesamt 22.600 Mails verschickt. Damit wurde der Countdown der Aktion eingeläutet – bis zum 22. September kann noch mitgemacht werden!

Das Armutsnetzwerk war auch mit einem Stand vertreten, welcher durch Wolfgang Schulz besetzt wurde.

Was nicht so schön war, das sich die Besucherzahl in Grenzen gehalten hat. . Obwohl die Securities mehr als 4.500 Gäste auf dem Weltfest gezählt haben, war zum Zeitpunkt meines Interviews vor der Bühne wenig los.  Mein Interview, wurde auf 17 Uhr angesetzt. Die Moderatorin hat mir auf der Bühne wunderbar unter die Arme gegriffen und die Fragen etwas umgestellt. Ich weiß nicht wie gut ich mich geschlagen habe, aber für das erste Mal war es wahrscheinlich nicht schlecht.

Die Interviewfragen und meine zusammengestellten Antworten werde ich nun wiedergeben:

 

Du bezeichnest dich selbst als von Armut betroffen. Was heißt das für Dich genau?

Armut hat viele Gesichter, meine Armut ist eine finanzielle Armut. Wenn man überlegen muss wofür man das Geld ausgibt und was wichtiger ist. Wenn man nachdenken muss wie man seine Familie ernährt oder wie man seine Stromrechnung(bei mir sind es 169€ im Monat) bezahlen kann. Aber es kommt immer darauf an, was man aus seiner Lebenssituation macht. Die einen Resignieren, andere wiederum kämpfen und versuchen das Beste aus der gegeben Lebenssituation zu machen. Ich persönlich sage immer, dass es einen Weg gibt damit es weiter geht. Wobei ich sagen muss, dass ich auch schon aufgegeben hatte und keinen Weg mehr wusste, wie ich weitermachen kann. Dann sagte mir ein Sozialarbeiter: „Aus jedem Tief kommst du gestärkt wieder hervor!“

Und an diesem Satz halte ich mich fest.

 

Du bist seit vielen Jahren alleinerziehend. Wie hat das Deine Situation beeinflusst?

Von 17 Jahren bin ich fast 8 Jahre alleinerziehend. Bevor mein Sohn in eine Pflegestelle gekommen ist habe ich uns mit Minijobs und Aushilfejobs und Harz IV über Wasser gehalten.

Die Situation von alleinerziehenden Müttern und Vätern würden sich verbessern, wenn die Tagesstätten für Kinder richtig ausgebaut werden und auch gut geschultes Personal vorhanden ist. Gut wären auch auf alleinerziehende angepasste Arbeitszeiten oder Betriebsinterne Kindertagesstätten.

 

Was hat Armut mit Arbeit zu tun?

Es gibt viele prekäre Arbeitsverhältnisse, wenn Menschen trotz Arbeit noch zum Amt müssen um ihre Familie ernähren zu können. Das Ganze zieht noch einen ganzen Rattenschwanz hinter sich her, es endet ja nicht beim Amt, sondern es kommen zumeist noch Kinderarmut und Altersarmut hinzu. Denn mit den heutigen Renteneinzahlungen, kann man im Alter nicht wirklich gut leben.

 

Was denkst Du, was sich ganz konkret in Deutschland politisch ändern sollte um Arbeit gerechter zu gestalten?  [> Mindestlohn, mehr und günstigere Betreuungsplätze für Kinder und weiteres]

Man sollte vielleicht auch in den Köpfen der Menschen etwas ändern, denn wenn die Gesellschaft nicht bereit ist ihr denken zu ändern, können es die Politiker leider auch nicht. Es fängt doch schon im Kleinen an, wenn die Menschen nicht immer nur billig einkaufen würden, könnten die Arbeitgeber auch mehr Lohn zahlen. Das Ganze ist ein Teufelskreis, aus dem man nur durch ein gesellschaftliches umdenken rauskommt.

 

Du engagierst Dich in der Bundesbetroffeneninitiative, der Landes-Arbeits-Gemeinschaft-Wohnungsloser-Menschen Baden-Württemberg und dem Armutsnetzwerk. Wie bist Du dazu gekommen, dass zu tun? Was waren die ersten Schritte?

Ich habe schon sehr früh davon gehört, das man sich engagieren kann, aber da war meine Familie noch an 1. Stelle gestanden, was sie heute auch noch macht.

Dann vor etwa sechs Jahren habe ich meine Wohnung und meinen Sohn verloren und bin in ein tiefes Loch gefallen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann von der Betroffeneninitiative in Offenburg gehört. Welche mich auch veranlasst hat nach Offenburg zu gehen. Da lernte ich dann Menschen kenn, die sich einmischen und die Missstände aufzeigen, auf kommunaler-, Landes- und Bundesebene. Über den Weg der Betroffeneninitiative bin ich dann in die Landesarbeitsgemeinschaft Wohnungsloser Menschen e.V. und die Bundesbetroffeneninitiative e.V. gekommen. Des Weiteren habe ich Artikel für die Straßenzeitung „Herbstwind“ in Offenburg geschrieben. 

Die Landesarbeitsgemeinschaft e.V. ist die Aktionsebene

Die Bundesbetroffeneninitiative e.V. ist die politische und Gremienarbeitsebene.

Über die Bundesbetroffeneninitiative e.V. habe ich ein Mandat in der BAGW (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe) im Fachausschuss Frauenkoordination bekommen.

Seit einigen Monaten bin ich jetzt Mitglied im Armutsnetzwerk.

  

Wie sieht Dein Engagement konkret aus? Was kann jeder einzelne tun?

Die Leute sollten ihre Geschichte erzählen und auch in die Öffentlichkeit bringen, damit die Armut und die prekären Arbeitsverhältnisse mal in den Köpfen ankommen und sich vielleicht auf gesellschaftlicher Ebene etwas ändern kann.

Ich persönlich gehe mit dem Thema Harz IV ganz offen um, denn wenn es jemanden stört, dann braucht er ja nicht mit mir sprechen.

Ich schreibe Artikel zum Thema Harz IV und wie schon erwähnt, bin ich in verschiedenen Organisationen aktiv beteiligt.

Man sollte ein Bewusstsein schaffen über die gesamte Breite der Armut in Deutschland und man sollte dafür kämpfen, dass es in einem Land wie unserem keine Armut geben sollte. Man sollte Vernünftige Arbeitsplätze schaffen und was noch wichtiger wäre, man sollte das Bildungssystem ausbauen und für jedes Bundesland gleich gestalten. Gleiche Chancen für alle ob reich-ob arm, ob jung-ob alt. Wir sind alles Menschen.

Und eins noch, denkt an unsere Kinder, sie sind unsere Zukunft!!!!!!!!!

16.09.2013

Manja Starke

 

Gemeinsame Erklärung von Landesarmutskonferenz (LAK) Niedersachsen, DGB Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt, Diakonie in Niedersachsen, Caritas in Niedersachsen, SoVD-Niedersachsen e.V. und ver.di Niedersachsen-Bremen

Mehr soziale Gerechtigkeit und weniger Armut Für eine andere Politik in Deutschland und Europa

Deutschland im zehnten Jahr der Agenda 2010 und im Jahr des vierten Armuts- und Reichtumsberichtes: Die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft stellt sich dringender denn je. In Niedersachsen ist die Armut allein von 2010 auf 2011 von 14,5 Prozent auf 15,2 Prozent gestiegen!

Armut trotz Arbeit greift immer mehr um sich, jeder fünfte Arbeitnehmer ist mittlerweile im Niedriglohnsektor beschäftigt. Zehn Prozent der reichsten Deutschen besitzen über 53 Prozent, 1998 waren es erst 45 Prozent. Dagegen verfügen die unteren 50 Prozent zusammen nur über 1 Prozent des Vermögens. Die Spaltung zwischen Arm und Reich wächst.

Armut ist nicht nur durch ein zu geringes Einkommen gekennzeichnet, sondern auch durch fehlende Teilhabe an der Gesellschaft, an Erwerbstätigkeit und an Bildung. Deshalb hat dieses Bündnis eine Reihe von Vorschlägen entwickelt, um auch in diesen Bereichen die bestehende Armut und soziale Ausgrenzung zu bekämpfen.

Gute Arbeit statt prekärer Beschäftigung! Wir fordern:

- Die Einführung eines einheitlichen gesetzlichen Mindestlohns. Er muss bei Vollzeit Erwerbstätigkeit einen Lebensunterhalt deutlich oberhalb der Armutsgefahr sichern

- Einen öffentlichen Beschäftigungssektor für Langzeitarbeitslose mit sozialversicherungspflichtigen, tariflich bezahlten Arbeitsverhältnissen

- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Leiharbeitnehmer sind stets wie die - Stammbelegschaft zu behandeln

- Strikte Regulierung von Befristungen, Werkverträgen, Minijobs und anderen Formen prekärer Arbeit.

Inklusion statt Ausgrenzung in der Bildung! Wir fordern:

- Den Ausbau verbindlicher Qualitätsstandards in Kindertagestätten, insbesondere durch Absenkung von Gruppengrößen und Erhöhung des Fachkräfteanteils, um so den Bildungszugang zu sichern und damit Chancengleichheit zu ermöglichen

- Ein Bildungssystem, in dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen können

- Eine Ausbildungsgarantie für alle Schulabgänger

Umverteilung statt Ausgrenzung! Wir fordern:

Mehr Geld für unsere öffentlichen Haushalte durch

- die Einführung einer Finanztransaktionssteuer

- die höhere Besteuerung von großen Vermögen und Erbschaften

- einen effektiveren Steuervollzug und ein energisches Vorgehen gegen Steueroasen und Steuerflucht

- eine reale Besteuerung von Unternehmen, die mindestens dem europäischen Durchschnitt entspricht

Menschenwürdiges Existenzminimum statt Hartz IV! Wir fordern:

- Eine Erhöhung der Hartz IV Regelsätze, die den Bedürfnissen der Menschen entspricht und durch genügend Flexibilitätsreserven eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen und sozialen Leben ermöglicht

- Die Rücknahme der Kürzungen bei den SGB II Eingliederungsleistungen für Arbeitslose und einen Stopp der Sanktionen gegen Hartz IV Bezieher

- Das "Bildungs- und Teilhabepaket“ so zu gestalten, dass alle berechtigten Kinder und Jugendliche die gesetzlichen Leistungen unbürokratisch und ohne Stigmatisierung erhalten können

- Eine aktive Arbeitsmarktpolitik

Soziale Sicherheit statt Armut! Wir fordern:

- Das gesetzliche Rentensystem muss so ausgestaltet werden, dass es jetzt und in Zukunft Altersarmut verhindert und den Lebensstandard sichert

- Bekämpfung von Energiearmut. Für Menschen mit geringem Einkommen muss Versorgung mit Strom, Wasser und Heizung sichergestellt sein

- Guten und bezahlbaren Wohnraum für alle. Der soziale Wohnungsbau muss wieder deutlich ausgeweitet werden, um eine flächendeckende Wohnungsnot zu verhindern

Und:

- Die Betroffenen müssen am Prozess der Armutsbekämpfung im Sinne von echter politischer Partizipation beteiligt werden

Wir treten ein: Für mehr soziale Gerechtigkeit und die Überwindung von Armut in einem der reichsten Länder der Erde! Für eine andere Politik in Deutschland und Europa!

Die Bündnispartner

Hannover, September 2013